

|
Die Anzahl der nachfolgenden Schlossherren und deren Geschlechter ist groß, so dass hier nicht auf alle hingewiesen werden kann. 1730 - 1739 war die Anlage im Besitz des Churfürstlichen Seketarius Dr. Johann Stöckel. Dieser wollte offensichtlich höfisches Dresdner Leben auf das ländliche Gut bringen. Das heutige barocke Äußere des Schlosses entstand vermutlich unter seiner Hand. Auch legte er den "Lustgarten zum Schlosse" mit mannigfaltigen Spiel- und Vergnügungsmöglichkeiten für die Herrschaft an. Die nachfolgende Zeit des Rittmeisters von Bünau (1739 - 1758) auf Zuschendorf wird als Glanzzeit mit förmlicher Hofhaltung beschrieben. 1740 legte von Bünau eine hölzerne Wasserleitung aus den Seidewitzer Wiesen zum Rittergut an, aus welcher der Gartenteich ebenso wie die Ställe des Gutes gespeist wurden. Noch heute finden wir ab und an Reste davon. Diese wurde 1892 durch Xaver von Lentz in eine gusseiserne umgewandelt und liefert bis heute Wasser.
Das Dorf war menschenleer. Aus den Orgelpfeifen der Kirche gossen die Russen Geschosskugeln. Die alten Grüfte im Gotteshaus wurden aufgebrochen. Dem nachfolgenden Senator Dr. Wilhelm Anton Dittmar blieb nur wenig Zeit, die Kriegsschäden zu beseitigen. Gerade 36 Jahre alt, starb er 1826 bei Ludwigsburg während einer Lustreise in Süddeutschland. Seine Schwester stiftete ihm einen Gedenkstein, der heute im Park steht. Für uns heute interessant ist dann der Eigentümer von 1832 - 1842, Herr Dr. Karl Heinrich Schulz, der Sohn des Bürgermeisters von Dresden, Doktor der Philosophie und Erb- wie Lehngerichtsherr auf Zuschendorf. Er brachte die Landwirtschaft auf vorbildliche Weise in Ordnung und beschrieb das akribisch in seinem 1841 erschienenen Buch "Beschreibung des Betriebes der Landwirtschaft zu Zuschendorf". Darin zeichnet er über Bestände, Erträge, Techniken der Landwirtschaft bis hin zu Gesindekost ein ausführliches Bild dieser Zeit.
Bereits 1882 kaufte der Königliche Sächsische Hauptmann Clemens Oskar Xaver von Lentz das Anwesen und hinterließ vor allem als Bauherr seine Spuren. U.a. verdanken wir ihm den Neubau der Wagenremisen mit Scheune (bergseitig auf dem Gutshof), nachdem die alte hölzerne Scheune abbrannte. Eine weitere große Ziegelfachwerkscheune aus dem Jahre 1882 an der Seidewitzer Straße musste vor wenigen Jahren neuen Einfamilienhäusern weichen. Lenz verlängerte 1889 den kleinen, dem Park zugewandten Schlossflügel durch Überbauung eines Pferdestalles. Dabei passte er auch die Dachform an das vorhandene Mansarddach des Flügels an und schuf parkseitig eine sandsteinerne Freitreppe. Diese Bauten hatten keinen Bestand, da sie dem politisch motivierten Abriss nach 1947 zum Opfer fielen. Glücklicher war der Bau des Gasthofes "Zum Lindental", der am 11.11.1911 eröffnet wurde. Anfangs von Herrn Moritz Adam gepachtet und später gekauft, ist er noch heute in familiärem Besitz. Das letzte Augusthochwasser hat auch dem Gasthaus übel mitgespielt; inzwischen sind Gäste längst wieder willkommen. Wesentlich mehr geschadet hat das Hochwasser jedoch der ebenfalls von Lentz im Jahre 1908 erbauten Villa. Dort wohnte der Oberschweizer; auch gab es Gästezimmer. Das direkt am Fluss Seidewitz stehende Haus verlor durch das große Wasser seine flussseitige Fassade und ein Wiederaufbau ist zur Zeit ungewiss.
Die ökonomische Situation war nicht zuletzt wegen des geringen Landbesitzes für Herrn Schuster schwierig. An den Gebäuden wurde wenig investiert. Aus den Bauakten ist ersichtlich, dass vor allem die Dächer der Gebäude zum Kriegsende in bedrohlichem Zustand waren. Am 9. Mai 1945 besetzte die Rote Armee Zuschendorf. Das Ehepaar Schuster wählte kurze Zeit danach den Freitod. Die russische Armee nutzte bis Ende 1945 das Rittergut als Versorgungsgut.
Ab 1947 begannen dann umfangreiche Abbrucharbeiten. Es ist für den Autor gegenwärtig nicht zu klären, ob die Motivation dafür eher in einem angeblich existierenden Befehl der sowjetischen Militärmacht oder anderen Ursachen zu suchen ist. Unterlagen zu diesem Befehl wurden bisher nicht gefunden. Vielmehr aber Schreiben in der Bauakte, in welcher Abrisse durch die Neubauerngemeinschaft beantragt und durch das Landesamt für Denkmalpflege bestätigt wurden. Die Neubauern erhielten Material aus den Abrissen. Dem Erzählen nach soll ein gewisser Walter Hauptvogel, Inhaber eines Baugeschäfts und als "Ortskommunist" bezeichnet, eine besonders schäbige Rolle gespielt haben. Geplant war ein Totalabriss. Tatsächlich zerstört wurden eine große Scheune, die den Hof an der vierten Seite, zur bergseitigen Ausfahrt schloss, wie auch ein Schafstall. Außerdem wurde der von Xaver von Lentz ergänzte parkseitige Schlossflügel so rückgebaut, dass die Fenster des Obergeschosses eingekürzt wurden und darüber ein Satteldach entstand. Ein nun erstandenes Neubauernhaus stand auf den Mauern des Schlosses, ja beinhaltete noch integrierte Reste der alten Burg. Der nun aufgerissene Schlossflügel wurde am neu entstandenen bergseitigen Giebel nur unzureichend verschlossen, so dass in den folgenden Jahrzehnten die Substanz restlos durch Witterungseinflüsse zerstört wurde. Besonders bitter ist der Verlust der zwei sandsteinernen Freitreppen, eine Renaissanceanlage zum Hof und eine gründerzeitliche, aber dem Barockbau angepasste, zum Park. Glücklicherweise blieb aber der größte Teil älterer Bausubstanz erhalten, verfiel jedoch zusehends. Anfangs lag ein nicht realisierter Vorschlag zur Nutzung als Altersheim vor. Später ging das Schloss in Verwaltung der VEB Gebäudewirtschaft Pirna über. In dieser Zeit gab es einen Sargmacher neben einem Kindergarten, Einlagerungen von Kleingartenauflösungen, HO-Möbeln und Material der Zivilverteidigung. Selbst ein Pflanzenschutzmittellager war untergebracht und die Keller dienten als Abdeckerei. 1968 gab es dann die dritte russische Besetzung nach denen von 1813 und 1945. Eine Nachrichteneinheit zog im Zuge des Einmarsches in die CSSR ein. Nächster Interessent war Anfang der 70er Jahre der VEB(K)Antikhandel (als Unternehmen des Devisenbeschaffers Schalck-Golodkowski bekannt). Durch den Architekten Klieber wurde ein Sanierungsprojekt erarbeitet. Es sollte Suiten, Schau- und Verhandlungsräume geben. Besonders suspekt war die Vorstellung, dass der mittelalterliche Dachstuhl durch eine Stahlkonstruktion ersetzt werden sollte. Dieser wäre zwar recht gut in Ordnung, aber falsch konstruiert. Warum der Antikhandel das Projekt nicht realisierte, wissen wir nicht. Eventuell lag es an der Verlegung der Zentrale von Pirna nach Berlin. Danach wurde jedoch weiter ausgeräumt und demontiert. Unter anderem wurden die Meißner Öfen abgebaut und mindestens einer davon auch verkauft. Fotos davon erhielten wir nach dem politischen Umbruch von der Kriminalpolizei aus den Akten des Antikhandels. Später wurden Kacheln von den Wänden gehackt und Parkett herausgerissen. Diese Dinge sollen in den Einfamilienhäusern führender Pirnaer Bonzen verschwunden sein. In den achtziger Jahren gab es dann sicher unrealistische Rettungsversuche durch Dr. Gerhard Macher mit dem Ziel, das Schloss für den Kulturbund nutzbar zu machen. Jedoch war der Zustand bereits in höchstem Maße ruinös und trotz Eintragung auf der Bezirksdenkmalliste wurde ein Totalabriss erwartet. Selbst die Kirche wurde seitens des Eigentümers (Evangelischen Landeskirche), da zum Gesamtensemble gehörig, als nicht erhaltbar eingestuft. Interessanterweise wurde das Schloss trotzdem bis 1988 in der Buchführung der Stadt Pirna als "Hilfskrankenhaus" mit einem Wert von 500.000,- M geführt. Die Zeit des Verfalls und der Hoffnungslosigkeit endet mit dem Kauf durch das VEG Saatzucht Zierpflanzen Dresden am 1. Oktober 1988. Die Planung des Wiederaufbaus beginnt. Abschließend sei Herrn Dr. Gerhard Macher gedacht und gedankt, der langjährig Material über die Geschichte des Schlosses, des Rittergutes, der Mühlen, der Kirche, des Schulwesens etc. zusammengetragen hat und eine Reihe bisher unveröffentlichter Manuskripte hinterließ.
|