Kamelien
- Die Seidelsche Kameliensammlung
Blütezeit: März bis Ostern
Informationen zur Kamelienausstellung
2010
Informationen zur Geschichte und
Verwendung von Kamelien
Kamelien
sind in Ostasien heimisch. Seefahrer brachten die ersten Kamelien
mit nach Europa. 1739 wird die erste ungefüllte, rotblühende Camellia
japonica bei Lord Petre in England erwähnt; 1792 gelangte die erste
gefüllte, weiße Kamelie (Camellia japonica 'Alba Plena') nach Europa.
Besonders
die Vorliebe für alles Ostasiatische ließ die Kamelie bald darauf in
Europa zur Modeblume des 19. Jahrhunderts werden. Sie gehörte zur Balltoilette
ebenso wie in die wertvollen Pflanzensammlungen von Fürsten und Königen
und fand ihren literarischen Niederschlag nicht nur in Alexandre Dumas'
"Die Kameliendame". Auch in Adalbert Stifters "Der Nachsommer", in einem
Gedicht von Anette von Droste-Hülshoff, Turgenjews Erzählungen "Frühlingsfluten"
und "Rauch", Fontanes "Effi Briest" oder Bulgakows Roman "Der Meister
und Margarita" werden sie erwähnt.
Einer der
vier Söhne des Dresdner Hofgärtners Johann Heinrich Seidel, Jacob Friedrich,
hatte während seiner Ausbildungszeit im "Jardin des Plantes" in Paris
den Wert der Kamelie, die bisher nur in botanischen Gärten gehalten
wurde, als winterblühende Pflanze erkannt und brachte sie 1812 mit nach
Dresden. Laut einer abenteuerlichen Geschichte geschah dies auf seinem
Marsch im Dienste der Napoleonischen Armee, wo er desertierte, als sich
die Truppen in Erfurt aufhielten, bepackt mit Kamelien im Tornister.
Das
Jahr 1813 kann als das Entstehungsjahr unserer Sammlung betrachtet werden,
als Jacob Friedrich Seidel gemeinsam mit seinem Bruder Traugott Leberecht
am 24. Juni in der Kleinen Plauenschen Gasse eine Gärtnerei gründete,
die sich zunehmend auf Kamelien spezialisierte. Es entstand nicht nur
die erste Spezialkultur des deutschen Zierpflanzenbaus unter Glas; Seidel
leitete damit auch generell die Ablösung der bis dahin üblichen "Nutzgärtnereien"
durch die sog. "Kunst- und Handelsgärtnereien " ein, die nur von der
Ziergärtnerei lebten.
Andere
Gärtner folgten Seidels Beispiel, so dass sich Dresden um die Mitte
des 19. Jahrunderts zum führenden Anbauzentrum für Kamelien in Europa
entwickelte. Seidels Kameliensortiment stieg von 19 Sorten im Jahre
1824 auf 1100 Sorten im Jahre 1842 bei einem Produktionsumfang von jährlich
100.000 Stück. Bereits in den dreißiger Jahren des 19. Jhd. erschloss
Seidel Russland als eines der ersten ausländischen Absatzgebiete. So
brachte er 1834 eine Ladung von 5000 Kamelien per Dampfschiff nach St.
Petersburg. Mit dem Planwagen waren Kamelien auf monatelangen Reisen
unterwegs nach Moskau, Odessa, Florenz oder Madrid.
Seidels
Gärtnerei war jedoch ebenso Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher
im Frühjahr, da der Seidelsche Kamelienflor den Ruf einer europäischen
Sehenswürdigkeit genoss. Zahlreiche hochstehende Persönlichkeiten aus
Russland und Österreich-Ungarn pflegten auf der Durchreise nach Paris
in Dresden Station zu machen, um die Kamelien zu besichtigen und Einkäufe
zu tätigen. Zum Weltruf, den Dresdner Kamelien damals erlangten, trugen
auch zahlreiche in- und ausländische Ausstellungen, z.B. der Gartenbaugesellschaft
"Flora" bei, auf denen Pflanzen von "Kamellien-Seidel" nicht fehlen
durften und zu deren maßgeblichen Initiatoren er und sein Sohn Herrmann
Seidel gehörten.
Neue Sorten
und Arten aus China und später auch Japan führten zu einer regen Züchtungsarbeit,
vor allem in England, Belgien, Frankreich und Italien. Neuheiten aus
Deutschland kamen relativ spät auf den europäischen Markt, so z.B. von
Rinz aus Frankfurt (C.j.'Francofurtensis' und 'Gunnelli').
Seidels
Leistung bestand vorwiegend in der Erhaltungszüchtung, in der Erschließung
neuer Sorten für den deutschen Markt und der Auslese der besten Sorten
aus dem unüberschaubaren Sortenspektrum.
Pflanzen
von "Kamellien-Seidel" waren bekannt für hervorragende Qualität und
zuverlässige Sortenbenennung beim Versand. Außerdem machte er sich um
die günstigere Vermehrungsart durch Stecklinge verdient. Bereits in
den 30-er Jahren des 19. Jhd. pflanzte er sämtliche Sorten bei gleichen
Wachstumsbedingungen in einem gesonderten Haus zur mehrjährigen Beobachtung
aus und begrenzte sein Sortiment 1862 von 1100 auf die 500 "gefüllten
schönsten und leichtestblühenden".
Eine
nochmalige Bereinigung des Sortiments führte zu einer Auswahl von 76
bewährten Sorten, zu denen immer noch so alte Sorten wie Àlba Plena'
und 'Variegata' von 1792, 'Buff' (1806), 'Althaeiflora' und 'Lady Campbell'
von 1824 oder 'Tricolor' (1832) gehörten. Mehrere davon illustrieren
Seidelsche Familien- oder Zeitgeschichte: 'Frau Minna Seidel' (1883)
nannte Herrmann Seidel eine der schönsten Sorten nach seiner Frau Minna
Sidonie, Tochter eines Finanzrats, welche er im Katalog als die "lieblichste
unter den Camellien" beschreibt. Ihre beiden Söhne Rudolf und Heinrich
(Sorte 'Heinrich Seidel') heirateten zwei Schwestern, Töchter eines
dänischen Offiziers, nach welchen die Sorten 'Herme' (1891) und 'Emma'
(1897) benannt sind. Eine der vier Töchter findet in der Sorte 'Frau
Dr. Schiffner' (1891) Erwähnung.
Man begegnet
der Königsfamilie ('Prinz Albert'(1841), 'Prinzessin Louise' oder bekannten
Züchtern wie Mathot aus Belgien (z.B. 'Mathotiana Alba' (1858), 'Mathotiana
Rubra' (1847), Hovey ('C.M.Hovey') aus Amerika bzw. Alfred Chandler
aus England, dessen Sorte 'Chandlers Elegans' aus dem Jahr 1831 noch
heute die Hauptsorte im Kamelienanbau ist.
Ein
Grund für die vorgenommene Verkleinerung des Sortiments lag auch am
Abflauen der Kamelienmode ab dem Jahr 1890, in deren Folge die Kamelie
von der Azalee als Hauptkultur verdrängt
wurde. Nach dem 1. Weltkrieg betrug der Anteil der Kamelie an der Gesamtproduktion
der Seidelschen Gärtnerei nur noch wenige Prozent Trotzdem blieb das
von Seidel ausgewählte Sortiment weitestgehend erhalten und konnte durch
das verantwortungsvolle Handeln der Gärtner über den II. Weltkrieg hinweg
gerettet werden.
1946 wurde
der Seidelsche Betrieb enteignet. In der nun staatlichen Gärtnerei wurden
die Züchtungsarbeiten auf der Grundlage des Seidelschen Sortiments von
1897, welches 1956/57 zum Erhaltungssortiment der DDR erklärt worden
war, bis 1967 fortgesetzt. 1956 ehrte man mit der Sorte 'Bernhard Lauterbach'
den langjährigen Mitarbeiter und ehemaligen Obergärtner Seidels. Kamelien
produziert und exportiert wurden vorwiegend in den Sorten 'Chandlers
Elegans' und 'Lady Campbell' bis 1989.
Nach dem
politischen Umbruch liquidierte die Treuhandgesellschaft die ehemalige
Seidelsche Gärtnerei und wandelte das Gelände in einen Wohnbaustandort
um. Dank der Fürsorge der mit der Sortensammlung betrauten Gärtner des
damaligen VEG Saatzucht Zierpflanzen Dresden konnte das Seidelsche Sortiment
erhalten und nach Zuschendorf überführt werden.
1993 wurde
die Seidelsche Kameliensammlung unter Denkmalschutz gestellt und ist
heute Eigentum des Freistaates Sachsen. Im Vergleich zu anderen Sammlungen,
die meist das gesamte Spektrum der Vielfalt bei Kamelienarten und -sorten
zeigen, stellt die Seidelsche Kameliensammlung einen kleinen, historisch
bedeutsamen Ausschnitt aus der Geschichte der Kamelienzüchtung und der
Produktionsgeschichte Sachsens dar und liefert auf Grund des relativ
reinen, unverfälschten Sortenmaterials einen wertvollen Genpool für
die Züchtung.
Viele
der z.T. bereits 200 Jahre in Europa bekannten Sorten gehören heute
noch zum Kamelienstandardsortiment. Zur Illustration des riesigen aktuellen
Sortiments an Kamelienarten und -sorten für die Besucher wurden die
etwa 100 alten Sorten um einige ausgewählte und repräsentative moderne
Sorten und Wildarten ergänzt (u.a. auch eine gelbe Kamelie, C. nitidissima).
Zu den
ältesten Kamelien in den Botanischen Sammlungen gehören fünf Exemplare
aus der Gärtnerei Erich Herrmann, Doberlug-Kirchhain. Hier werden seit
1874 traditionell Kamelien produziert, wofür u.a auch Jungpflanzen von
Seidel aus Dresden bezogen wurden. Die älteste unter ihnen ist ein Exemplar
von 'Chandlers Elegans' aus dem Jahr 1885. Nur wenig jünger sind 'Herme
Rot', 'Admiral Campbell', 'Mathotiana Rosea' und 'Principessa Baciocchi'.
Im Interesse der Wiederbelebung des Kamelienanbaus in Sachsen besteht
unsere Aufgabe ebenfalls in der Bereitstellung von Ausgangsmaterial
für interessierte Gärtnereien. Auf einer Glasfläche von 1.500 Quadratmetern
präsentiert sich die Sammlung von etwa 220 Sorten und Arten jährlich
ab März den Besuchern.
Da wir
leider nicht in der Lage sind individiuelle Anfragen zur Pflege Ihrer
Kamelien zu beantworten, bieten wir Ihnen hier ausführliche Pflegehinweise.
Azaleen - Hortensien
- Bonsai - Efeu
- Zwergobstbäume
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