Die Seidelsche Kameliensammlung

VII. Deutsche Kamelienblütenschau im Landschloß

Kamelien und Sandstein - zwei Prominente aus Sachsen

150. Todestag von Jakob Friedrich Seidel, dem berühmten "Kamelienseidel"

Dieses Mal bringen wir scheinbar Gegensätzliches zueinander: den harten Sandstein und die zarte Kamelienblüte. Doch es gibt vieles Gemeinsame: Der Stein der Sächsischen Schweiz und die Japanische Rose aus Dresdner und Leipziger Gärtnereien haben beide Sachsens Ruf in die Welt getragen.

Stein und Blume dienten immer der Schönheit. Mit dem einen baute man Schlösser, Dome, Kirchen, prachtvolle Hausportale und vieles mehr. Die Pflanze schmückte Orangerien, Festsäle und natürlich auch die Kleidung und das Haar schöner Frauen.

In unserer diesjährigen Ausstellung zeigen wir den Werdegang des Sandsteins, immer in enger Verbundenheit mit den Blüten. Dies beginnt mit einer nachgestalteten Steinbruchszene, so, wie sie vielen von den Bildern Robert Sterls bekannt ist. Kamelien werden auf rohen, schön geäderten Sandsteinplatten präsentiert. Ferner wird gezeigt, was unter geschickten Händen aus dem Stein entsteht und wie man das Ergebnis mit Kamelienblüten verschönen kann. Dazu gehören kunstvolle Baluster und Kapitelle ebenso wie Bänke und schöne Dinge für Haus und Garten.

Alles Sandsteinerne dafür stellen uns die Sächsischen Sandsteinwerke Pirna zur Verfügung. Geschmückt wird der Sandstein mit etwa 1000 Blüten, die aus ganz Deutschland von Sammlern und Liebhabern eingesandt werden. Das Publikum darf wie jedes Jahr die schönste Blüte Deutschlands wählen. Dabei sind historische wie auch moderne Sorten sowie in der Natur vorkommende Kamelienarten zu betrachten.

Der Kamelienfluß wird in diesem Jahr ein barockes Gartenstück mit historischen Sandsteinfiguren umfließen. Die Mitteldeutsche Kameliengesellschaft als Mitorganisator der Schau steht wieder mit Fachleuten beratend zur Verfügung. Die Schau wird von zwei Pirnaern, dem Bildhauer Ralf Zickermann und dem Fotografen Arnfried Großmann künstlerisch begleitet.

Ralf Zickermann, Jahrgang 1943, arbeitet bevorzugt mit Elbsandstein. Das hohe erdgeschichtliches Alter des Steins flößt Respekt ein, sein variables Gesicht ist von großer Schönheit, seine Eigenschaften disziplinieren, führen zu formaler Askese und schaffen über die harte Arbeit ein elementares Verhältnis. Der Mensch steht im Zentrum von Zickermanns Arbeit. Das schlanke, stelenhafte Format wird bevorzugt, wobei die Verwandlung des Blockes sichtbar bleibt. Seine Werke sind überall im Landkreis präsent, finden sich aber auch außerhalb in vielen Gärten und Gebäuden bis nach Portugal. Seine einige Jahre zurückliegende Ausstellung zu M. Bulgakows Roman "Der Meister und Margarita" im Zuschendorfer Schloßpark fand große Beachtung.


Ralf Zickermann

Arnfried Großmann, Jahrgang 1955, zeigt Fotos mit mystischen Strukturen im Sandstein der Sächsischen Schweiz. Schon in der Kindheit machte ihn der Vater mit Fotografie und Dunkelkammerarbeit vertraut. Als Mitglied im Fotoklub Cottbus, durch die Teilnahme an Fotoschauen und an drei internationalen Sommerakademien entwickelte er sein Können.

In diesem Jahr begehen wir den 150. Todestag von Jakob Friedrich Seidel, dem berühmten "Kamelien-Seidel". Ohne diesen energiegeladenen Gärtner, der die Kamelie und den sächsischen Gartenbau zu Weltruhm brachte, wäre auch bei uns in Zuschendorf heute alles anders.

Jacob Friedrich Seidel, Sohn des Hofgärtners, war derjenige, von dem es die hübsche Tornister- bzw. Rucksackgeschichte gibt, laut der er im napoleonischen Krieg, in Kartoffeln verpackt, Kamelienstecklinge aus Paris mit nach Dresden gebracht haben soll. Mit seinem Bruder Traugott Leberecht gründete er im Juni 1813 die Seidelsche Gärtnerei - den ersten Spezialbetrieb des deutschen Zierpflanzenbaus unter Glas.

Seine erste Spezialkultur, die Kamelie, produzierte er durch die Einführung der Stecklingsvermehrung in großen Massen, was Herzog Carl August von Sachsen-Weimar bei deren Anblick ausrufen ließ: "Ein Wald von Kamelien!" Er führte später unglaubliche 1100 Sorten in seinem Sortiment und baute ein nicht nur ganz Europa, sondern auch Amerika umfassendes Vertriebsnetz auf. Ebenso entwickelte er die Grundlagen der winterharten Rhododendronzüchtung, die Sohn und Enkel verwirklichten.

Wenn sich dieser Mann vor eineinhalb bis zwei Jahrhunderten nicht der Kamelie gewidmet hätte, gäbe es wohl heute die Botanischen Sammlungen Zuschendorf nicht. Daß der "Kamelien-Seidel" vor fast 200 Jahren die Grundlage dafür legte, daß wir heute, und hoffentlich noch Generationen nach uns, die Kamelienschatzkammer Sachsens bestaunen können, das war Seidel ja nicht bewußt und ist doch phänomenal.

Termine

01.03. - 11.04. 2010:

Kamelienschau in den Gewächshäusern Ausstellung der Sächsischen (Seidelschen) Kameliensammlung mit einer Vielzahl historischer Sorten auf 1500 m² Schauglasfläche. Die Hauptblüte ist Ende März zu erwarten.

06.03. - 14.03.2010:
VII. Deutsche Kamelienblütenschau im Landschloß

15.03. - 28.03.2010:
Die Kamelienblütenschau im Landschloß wird als Schau sächsischer Blüten verlängert.

Mit freundlichen Grüßen
Matthias Riedel
www.kamelienschloss.de